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Funkwetter & Ausbreitungsvorhersage

Aktuelle Durchschnittswerte

SN 3 SFI 73 Ak 6 K 1

Das aktuelle Funkwetter

mit Tom Kamp (DF5JL)
erstellt am 16.01.2021

Schwächelnder Sonnenzyklus 25

"Willkommen zurück, Sonnenfleckenminimum" schrieb die Weltraumwetterseite Spaceweather.com vor wenigen Tagen schon. Viele hatten gehofft, dass der 25. Sonnenzyklus nach anfänglichen Aktivitäten der Sonne voll durchstarten würde. Aber irgendwie klemmte es, keine neuen Sonnenflecken wollten mehr auftauchen. Das letzte Mal, dass ein Sonnenfleck sichtbar war, das war am 2. Januar. Doch jetzt können als wieder aufatmen. Nach einer Reihe von 12 fleckenlosen Tagen entsteht auf der südlichen Hemisphäre der Sonne gerade ein neuer Sonnenfleck. Er trägt die Bezeichnung AR2796.

Ansonsten zeigt sich die Sonne aktuell gering aktiv, mit einem Hintergrund-Röntgenfluss unter B-Klasse-Niveau. Der Sonnenwind bewegt sich ebenfalls auf Hintergrundniveau - mit Geschwindigkeiten zwischen 300 - 380 km/s. Auch die geomagnetischen Bedingungen sind auf einem ruhigen Niveau. Letztere hatten ja am Wochenanfang für eine Überraschung gesorgt. Entgegen aller Vorhersagen stieg der Kp-Index am Montag auf vier, d. h. wir hatten es mit einer recht aktiven Geomagnetik zu tun. Ursache war eine interplanetare Schockwelle, die sich quasi im Sonnenwind versteckt hatte, verursacht durch einen koronalen Massenauswurf auf der Sonne, der sich am Donnerstag, dem 7. Januar, ereignet hatte. Selbst die Forscher der US-Wetterbehörde NOAA hatten eine ruhige Sonne vorhergesagt. Insofern war die Fachwelt von diesen Ereignissen überrascht.

Die unerwartete Schockwelle traf am 11. Januar kurz nach 0830 UTC auf die Magnetosphäre der Erde. Der Aufprall löste seltene blaue Polarlichter rund um den Polarkreis aus. Auch die Auswirkungen auf die Ionosphäre waren ziemlich verblüffend. Die Daten der Ionosonden, die auf der Seite propquest.co.uk abrufbar sind, zeigen, dass die MUF für eine Strecke von 3.000 km bis 1530 UTC auf unter 14 MHz fiel, sich aber innerhalb einer Stunde normalisierte und wieder auf Werte oberhalb 18 MHz anstieg. Der Kp-Index lag bereits am Dienstag Nachmittag erneut bei eins. Die Geomagnetik hatte sich wieder beruhigt.

Zum Glück für alle DXer: Denn steigt der K-Index, also die geomagnetische Unruhe, steigt auch das HF-Rauschen an, hauptsächlich unterhalb von etwa 10 MHz. Hohes Rauschen auf dem 40-m-Band bedeutet also nicht, dass es auch auf 20 Meter rauscht. Nach einer besonders unruhigen bis stürmischen Geomagnetik ist das Erdmagnetfeld für 12-24 Stunden oft sehr ruhig - die Gelegenheit, um auf 40, 80 und 160 Meter zu arbeiten, da das Bandrauschen dann besonders niedrig ist.

Zu ergänzen ist, dass der solare Flux am Donnerstag bis auf 72 Einheiten gesunken war und somit es nur selten zu Öffnungen der oberen Kurzwellenbänder kam. Die bevorzugten DX-Bänder waren somit die unteren Kurzwellenbänder.

Da auch auf der Rückseite der Sonne zurzeit keine neuen Sonnenflecken sichtbar sind, und AR2796 noch recht harmlos daher kommt, müssen wir mit einer noch recht ruhigen Sonne vorlieb nehmen. Die Fluxwerte werden sich voraussichtlich im mittleren bis gehobenen 70er-Bereich bewegen. Die für die Kurzwellenausbreitung vorherrschende Größe bleibt somit der Sonnenwind. Von Sonntag auf Montag geraten wir unter Einfluss schnellen Sonnenwindes aufgrund eines koronalen Lochs, dass sich in eine geoeffektive Position bewegt und zu einem Anstieg der Sonnenwindparameter führen wird. Es sieht also so aus, als ob die zweite Wochenhälfte die beste Zeit für Kurzwellen-DX sein könnte. Dann werden die Bänder 20 und 17 Meter tagsüber die zuverlässigsten DX-Bänder sein. Nachts finden wir auf 160, 80, 60 und 40 Meter gute DX-Bedingungen vor.

Und so sehen die aktuellen Funkwetter-Werte von heute Morgen (Samstag) 0525 UTC aus: SFI 73 SN 13 A 6 KIEL K(3H) 1 SWS 311.7 BZ -1.8 DCX 2.1. Die K-Index-Prognose für die kommenden 24 Stunden (für mittlere Breiten):

73 Tom DF5JL – mit aktuellen Infos von: NASA, NOAA/SWPC, SDO, GFZ German Research Centre for Geosciences, SANSA South African National Space Agency, IAP Kühlungsborn, WDC for Geomagnetism Kyoto, DL1VDL/DARC-HF-Referat, spaceweather.com, propquest.co.uk, Funkwetterbeobachtungsstelle Euskirchen (FWBSt EU) DF5JL - CC BY 4.0 (Grafik: Canva/DF5JL)


Aktueller Status Ausbreitungsbedingungen Kurzwelle nach Band


Aktueller Status Bandöffnungen 50 MHz und VHF

Spodardic-E 50 MHz:


Spodardic-E 144 MHz:


© http://www.gooddx.net

Weiterführende, anschauliche Erklärungen zu den hier verwandten Begriffen und deren Möglichkeiten der Interpretation finden Sie im Kapitel Funkwetter einfach erklärt.

Aktuelle Messwerte DKØWCY

Herausgegeben von der Aurorabake DKØWCY. Die Bake strahlt die aktuellen Messwerte auch auf Kurzwelle aus. Sendezeiten und Frequenzen finden Sie unter www.dk0wcy.de.

© DKØWCY, mit freundlicher Genehmigung