Intruder melden per Web-App
Bandwacht für die Hosentasche: Intruder melden per Web-App
Wer auf Kurzwelle einen Bandeindringling entdeckt, musste bislang erst den Rechner im Shack bemühen, den Browser öffnen und die Adresse des Meldeformulars suchen. Genau diese Hürde entfällt: Die IG Intruder-Watch stellt eine eigene Web-App bereit, mit der sich eine Beobachtung in wenigen Sekunden direkt vom Smartphone aus einreichen lässt.
Warum Meldungen so wichtig sind
Auf Kurzwelle stehen dem Amateurfunkdienst mit 40 m, 20 m, 17 m, 15 m, 12 m und 10 m Frequenzbereiche zur exklusiven Nutzung zur Verfügung. Diese Exklusivität ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit von Funkamateuren gegenüber Behörden und Institutionen — und sie muss verteidigt werden. Denn in der Praxis senden in unseren Bändern regelmäßig fremde Funkdienste: militärische Datenmodems, Überhorizontradare, kommerzieller Sprechfunk. Sie belegen Frequenzkapazität, die uns damit verloren geht, und sie stören laufende QSOs.
Eine Bandwacht (englisch Intruder Watch) ist die Melde- und Beobachtungsstelle, die solche Fälle sammelt, technisch aufbereitet und in Zusammenarbeit mit der Bundesnetzagentur auf eine Einstellung der illegalen Aussendungen hinwirkt. Diese Arbeit lebt von Beobachtungen aus der Fläche: Ein einzelner Hinweis ist ein Datenpunkt, viele Hinweise über Wochen ergeben ein belastbares Profil — Sendezeiten, Frequenzwechsel, Modulationsverfahren, Ausbreitungsrichtung. Erst daraus wird ein Fall, den man einer Fernmeldeverwaltung vorlegen kann.
Kurz: Ohne Meldungen keine Bandwacht. Und je einfacher das Melden ist, desto mehr Meldungen kommen an.
Was gehört in eine Meldung — und was nicht?
Bandwachten befassen sich ausschließlich mit fremden Funkdiensten in den exklusiven KW-Amateurfunkbändern. Nicht in ihren Aufgabenbereich fallen deshalb:
- Aussendungen des Amateurfunks selbst, einschließlich Rufzeichenmissbrauch (das ist eine zivilrechtliche Angelegenheit),
- EMV-Störungen aus der Nachbarschaft, etwa durch defekte Schaltnetzteile, PLC oder ähnliche Verursacher,
- Störungen oberhalb von 30 MHz.
Ein Bandeindringling ist umgekehrt oft nicht auf den ersten Blick als solcher zu erkennen. Ein FSK-Signal kann wie eine Amateurfunk-RTTY-Aussendung wirken — bis auffällt, dass die Shift untypisch ist oder die Bandbreite zu keinem Amateurfunkverfahren passt. Zur Orientierung die häufigsten Kandidaten:
| Signal | Erkennungsmerkmale |
|---|---|
| CIS 12 | Digitales Modem (RUS), verschlüsselte Daten und Sprache, ca. 2,6 kHz breit, im Wasserfall an zwölf Kanälen plus Pilotton bei 3,3 kHz gut zu identifizieren |
| CIS 36-50 / 50-50 | FSK-Modem der russischen Marine, kaum von RTTY zu unterscheiden; typische Shift 250 Hz (auch 200 oder 500 Hz), häufig 50 Bd |
| STANAG 4285 | PSK-Modem der NATO, charakteristischer „Schleier“ von rund 3 kHz Breite, 2400 Bd |
| LINK-11 | NATO-Modem für taktische Daten, meist Marine; ein oder zwei markante Datenströme im Wasserfall, 2,31 kHz (CLEW) bzw. 3,00 kHz (SLEW) |
| OTHR | Überhorizontradar: breiter, schleierartiger Streifen von etwa 10 bis 160 kHz, akustisch als Brummton oder alternierender Ton; Urheber meist RUS, CHN, IRN oder NATO |
Wichtig: Sie müssen ein Signal nicht selbst bestimmen können. Die Klassifizierung ist Aufgabe der Bandwacht. Melden Sie im Zweifel — eine Fehlmeldung ist harmloser als eine unterbliebene Beobachtung.
Die App im Überblick
Die Anwendung ist eine Web-App, also eine Applikation, die im Browser läuft, sich aber wie eine normale App auf dem Homescreen einrichtet und von dort mit einem Fingertipp startet. Der Umweg über App Store oder Play Store entfällt vollständig. Sie läuft sowohl auf iPhones als auch unter Android.
Die wichtigsten Funktionen:
- Meldeformular direkt zur Hand. Kein Suchen einer Adresse, kein Rechner nötig — Icon antippen, melden, fertig.
- Teilweise vorausgefüllte Felder. Name, Rufzeichen und E-Mail-Adresse werden lokal auf dem Gerät gespeichert und stehen bei der nächsten Meldung bereits im Formular.
- Video direkt aus der App. Wer möchte, kann im Anschluss an die Meldung ein kurzes Video seines Empfangs aufnehmen und mitschicken. Für die Analyse ist das Gold wert: Wasserfalldarstellung und Klangbild sagen oft mehr als jede Beschreibung.
- Datei-Upload und aktuelle Meldungen sind ebenfalls über die App erreichbar.
- Automatische Aktualisierung. Die App hält sich selbst auf dem neuesten Stand; ein manuelles Update ist nicht erforderlich.
Installation in unter einer Minute
Rufen Sie auf dem Smartphone app.intruder-watch.de auf. Dort finden Sie zugleich eine kurze Installationsanleitung. Ein Hinweis dazu: Die Adresse funktioniert bewusst nur auf Smartphones — auf dem PC erscheint stattdessen ein QR-Code, den Sie mit dem Handy abscannen können.
Android: Seite in Chrome öffnen, das Menü mit den drei Punkten antippen und App installieren beziehungsweise Zum Startbildschirm hinzufügen wählen. Anschließend liegt das Symbol wie jede andere App im App-Raster.
iPhone: Seite in Safari öffnen, das Teilen-Symbol antippen und Zum Home-Bildschirm auswählen. Wichtig ist hier Safari — andere Browser bieten diese Funktion unter iOS nicht in gleicher Weise an.
Ein Konto benötigen Sie nicht, ein Blick auf die Datenschutzhinweise der IG lohnt sich dennoch, bevor Sie die erste Meldung absetzen.
Diese Angaben werden gebraucht
Pflichtangaben im Formular sind lediglich
- die Empfangsfrequenz in kHz,
- das Datum des Empfangs sowie
- die Uhrzeit in UTC.
Dazu kommt die Beschreibung dessen, was Ihnen aufgefallen ist, und die Angabe, wer die Beobachtung einreicht. Mehr ist nicht nötig. Wer es genauer machen möchte: Bandbreite, Shift, Baudrate, Modulationsart, subjektiver Höreindruck und ein Screenshot des Wasserfalls erleichtern die Auswertung erheblich. Dateianhänge müssen nicht sofort mitgeschickt werden — nach dem Absenden erhalten Sie per E-Mail einen Hinweis, wie Sie Material nachreichen können.
Und bitte konsequent in UTC melden. Zeitangaben in Lokalzeit sind die häufigste vermeidbare Unschärfe in Beobachtungsmeldungen.
Was danach passiert
Eine Meldung landet nicht in einem Archiv, sondern in einem Bearbeitungsprozess. Die IG Intruder-Watch vermisst das Signal, führt bei Bedarf eine Funkortung durch und lässt bei Sprachaussendungen gegebenenfalls eine Übersetzung anfertigen. Aus den verdichteten Informationen entsteht ein Profil, das an die zuständigen Stellen weitergegeben wird. Die Bundesnetzagentur prüft die Angaben und kann eine internationale Beschwerde bei der Fernmeldeverwaltung des vermuteten Ursprungslandes einleiten.
Als verbandsunabhängige Gruppe kann die IG darüber hinaus Betreiber und Senderprovider auch direkt ansprechen — ein kurzer Dienstweg, der in der Praxis manches schneller löst als ein formelles Verfahren. Dass diese Arbeit Wirkung hat, zeigt die Geschichte der Bandwachten: Immer wieder haben Sender ihren Betrieb auf Amateurfunkfrequenzen nach entsprechenden Beschwerden eingestellt.
Die anderen Meldewege bleiben
Die App ist ein zusätzliches Angebot, kein Ersatz. Wer lieber am Rechner arbeitet, nutzt weiterhin das Meldeformular auf www.intruder-watch.de. Für Fälle, in denen es schnell gehen muss, gibt es eine telefonische Meldemöglichkeit, für erfahrene Beobachter eine Profi-Meldung mit erweiterten Angaben, und Dateien lassen sich jederzeit separat nachreichen. Alle Wege laufen im selben System zusammen.
Fazit
Der Aufwand für eine Meldung ist mit der App auf ein Minimum geschrumpft: Icon antippen, drei Felder prüfen, absenden — bei Bedarf noch ein kurzes Video hinterher. Damit verschwindet das letzte praktische Argument, eine ärgerliche Störung im Band einfach nur wegzudrehen.
Der Schutz unserer exklusiven Bänder ist Gemeinschaftsarbeit, und der niedrigschwelligste Beitrag dazu besteht darin, Beobachtungen tatsächlich zu melden. Installieren Sie die App, solange Sie gerade daran denken — im Störungsfall am Abend fehlt sonst genau die Minute, die dafür nötig gewesen wäre.
Weiterführende Links
- App und Installationsanleitung: app.intruder-watch.de
- IG Intruder-Watch: www.intruder-watch.de
- Beispiele häufiger Intruder: www.intruder-watch.de/beispiele_haeufiger_intruder.html
- Meldeformular: www.intruder-watch.de/meldeformular-bandwacht.html







Diskutieren Sie zu unseren Themen mit. Auf Facebook.
Diese Seite auf dem Smartphone weiterlesen. Hier Code scannen.
Lesen Sie FADINGupdate - das Rundfunk-Magazin.